Die Ethik der Ehrfurcht vor der Natur
Albert Schweitzer begründete 1952 mit seiner Rede vor der französischen Akademie die Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben.
Er bezog die gesamte Kreatur in unser ethisches Denken und Handeln mit ein. Unsere ökologischen Zerstörungen legen es nahe, diese Ethik noch zu erweitern. Nehmen wir Grundsätze, wie sie Papst Franziskus in „Laudato si“ formulierte, mit auf und begründen eine Lehre der Ehrfurcht vor der Natur.
Grundsätze einer Lehre von der Ehrfurcht vor der Natur
1. Wir Menschen gehören zur Erde, aber die Erde gehört uns nicht.
2. Wir dürfen von dieser Welt nehmen, was wir zum Überleben brauchen.
3. Wir sind verantwortlich für den Erhalt der Welt.
4. Wir müssen die Komplexität der Welt in all unseren Handlungen bedenken. Wir dürfen nicht alles tun, was uns möglich ist.
5. Wir wollen Leben erhalten, Leben fördern, Leben auf seinen höchsten Wert bringen.
Materialistisches Denken
Unsere bisherige Umgangsweise mit der Natur ist geprägt vom materialistischem Denken. Darin ist der Mensch der Beherrscher und Gestalter der Welt. Ihm sind keine Grenzen gesetzt, er hat alle Freiheiten und er muss auf nichts Rücksicht nehmen. Dieses Denken und diese Weltsicht führten dazu, dass wir unsere Welt ruiniert haben.
Für eine gelingende Zukunft brauchen wir eine andere Sicht und ein anderes Denken. Wir brauchen die Ethik der Ehrfurcht vor der Natur und diese erfordert eine spirituelle Weltsicht.
Verbleiben wir im rein materialistischen Denken erreichen wir diese nicht. Auch wird uns unsere Zuversicht verloren gehen, denn in diesem materiellen Wohlstand werden wir nicht mehr leben können. Erweitern wir daher unser Denken und verändern unsere Ansprüche. Durch eine spirituelle Weltsicht können unser Zuversicht erhalten und so erfolgreich den Weg in die Zukunft gehen.
Eine spirituelle Weltsicht
Eine spirituelle Betrachtung sieht die Welt als ein Ganzes, etwas Göttliches, etwas Heiliges, in dem der Mensch Teil des Ganzen ist, sich einfügt und sich Regeln und Gesetzen unterwirft.
Diese Sicht steht neben dem materialistischen Denken, das in unserem modernen Leben dominiert. Hier wird die Welt als ein Objekt gesehen, was wir erkennen, beherrschen, formen und fügen können, um es so unseren Bedürfnissen zu unterwerfen.
Die Dominanz des materialistischen Denkens führt zu den Umweltzerstörungen durch den Menschen. Spirituelles Denken kann an diesem Umgang etwas ändern. Wollen wir zu einer Ehrfurcht vor der Natur kommen, bedarf es dieser Art des Denkens. Materialistisches und spirituelles Denken müssen in einem gleichberechtigten Austausch kommen.
Ein Feld- spirituell und materiell
Im materialistischen Denken ist ein Feld ein Ding, eine Fläche wo der Mensch etwas anbauen kann, um daraus einen Gewinn zu erzielen. Diesen Gewinn kann er steigern durch Düngung und Schäden reduzieren durch Pflanzengifte. Das Feld ist ein Objekt seiner Investition und seines Schaffens, denn der Mensch besitzt das Feld.
Im spirituellen Denken ist das Feld ein Teil der Erde die uns trägt und uns nährt. Das Feld gehört zur Natur, zu seinen ökologischen Abläufen bis hin zum Klima. Das Feld ist etwas Göttliches, Erhabenes, Lebensraum von unzähligen Lebewesen. Das Feld ist mit Ehrfurcht und mit Respekt zu betrachten. Der Mensch kann das Feld nutzen, um Nahrung für mich und andere Menschen anzubauen. Dies tut er auf die rücksichtsvollste und schonendste Art und Weise die ihm zur Verfügung steht, denn er ist in Verantwortung für alles was mit diesem Feld im Zusammenhang steht.
Die Dominanz des materialistischen Denkens führt zu den Umweltzerstörungen durch den Menschen. Spirituelles Denken kann an diesem Umgang etwas ändern. Wollen wir zu einer Ehrfurcht vor der Natur kommen, bedarf es dieser Art des Denkens. Materialistisches und spirituelles Denken müssen in einen gleichberechtigten Austausch kommen. Nur durch spirituelles Denken kommen wir auf dem Weg zur Ehrfurcht vor der Natur. Nur durch die Ehrfurcht vor der Natur können wir die Lebensgrundlagen für unsere Zivilisation erhalten.
Verbleiben wir im rein materialistischen Denken wird unsere Zuversicht bald verloren gehen, denn diese Welt des materiellen Wohlstandes lässt sich so nicht weiter leben. Erweitern wir unser Denken und verändern unsere Ansprüche durch spirituelles Denken, können wir mit Zuversicht weiter leben und erfolgreich den Weg in die Zukunft gehen. Denken wir dualistisch: spirituell und materiell.
Verhältnis zur Natur
Der Mensch verehrten die Natur für ihr Schönheit und dafür, dass sie von ihr ernährt wurden. Aber sie hatten auch Furcht vor den Widrigkeiten und Gefahren der Natur.
Einerseits dankten sie der Natur und der Göttlichkeit, die in ihr wohnt, mit Festen, Gebeten, Gesang und Tanz. Anderseits brachten sie auf ihren Altären Opfer, um die Natur und Gott gnädig und wohlgesonnen zu stimmen.
Mit den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und der technischen Beherrschung der Natur schwand diese ehrfurchtsvolle Haltung. Sie mündete sogar in eine Missachtung und in eine gnadenlose Ausbeutung, Unterwerfung und Zerstörung.
Nun müssen wir erkenne, dass die Natur sich dadurch verändert und so unsere Lebensgrundlagen verloren gehen. Die Natur hält eine Lektion für uns bereit, die uns wieder das Fürchten lehrt.
Ob wir die Natur nur als Gesetz oder auch als göttlich gegeben ansehen, bleibt in der Konsequenz für unser Handeln gleich. Wir dürfen dagegen verstoßen.
Fotos: I. Knick, L. Naschke

